Rankingfaktoren 2016

Diese These wird SEO 2016 verändern.

„Die technische Optimierung der Website war DER Rankingfaktor 2015“

„Holistischer Content ist King“

„Backlinks haben den stärksten Einfluss auf das Ranking“

„User-Signals sind DER Rankingfaktor 2016“

Diese und ähnliche Aussagen hört man Ende 2015 noch genauso wie vor einigen Jahren. Und alle sind richtig. Und doch so falsch.

Die Suche nach dem stärksten Rankingfaktor für Suchmaschinen ist so alt wie die Suchmaschinenoptimierung selbst. Es ist die Suche nach dem heiligen SEO Gral, die jedes Jahr Rankingfaktor-Studien und damit verbundene mehr oder weniger relevante Ergebnisse hervorruft. Ich erzähle dir, warum diese Studien aus meiner Sicht keinerlei Aussagekraft haben und warum ich Aussagen (wie oben) von Branchengrößen nicht teilen kann.

Die These

Ich möchte folgende These in den Raum stellen und als eine der wichtigsten Veränderungen des Google Algorithmus seit Beginn an diskutieren:

Rankingfaktoren 2016 3

Daraus ergibt sich:

Eine statistische Auswertung der Rankingfaktoren über mehrere Suchanfragetypen hinweg ist nicht aussagekräftig.

Diese These klingt vielleicht trivial und wirkt erst nach mehrmaligem Verinnerlichen. In der Vergangenheit ging man eher davon aus, dass es im Algorithmus eine festgelegte (lediglich bei Updates sich ändernde) Gewichtung der Rankingfaktoren gibt. Genau darauf bauen nämlich aktuelle Rankingstudien auf. Man geht dabei davon aus, dass die Gewichtung der Rankingfaktoren für alle Suchanfragetypen gleich sei. Das glaube ich nicht. Diese Aussage samt der folgenden Veranschaulichung in Diagrammen gab es meines Wissens in der SEO Szene so noch nicht (Falls doch, freue ich mich über Hinweise).

Welche Rankingfaktoren für welchen Website-Typ?

Ich möchte mit den folgenden Charts beispielhaft veranschaulichen, wie die Gewichtung bei verschiedenen Websitentypen aussehen kann. Wichtig: Ich gehe bei allen Seiten davon aus, dass sie die Information enthalten, die durch die Suchanfrage angefragt werden. Zusätzlich gehe ich davon aus, dass SEO Basics wie Meta Title, Meta Description, H1 und eine passende sprechende URL bei allen Seiten als Grundvorraussetzung erfüllt und bei allen Seiten „gleich gut“ zu bewerten sind.

Die folgenden Charts sind eine beispielhafte und extreme Veranschaulichung einiger theoretischer Rankingfaktoren und persönlicher Erfahrungen.

Rankingfaktoren für Online Shops

SSL und Crawlability als Rankingfaktoren waren in den letzten Monaten sehr hoch im Kurs. Gerade bei Online Shops stimme ich dem zu! Im Gegensatz dazu sehe ich SSL bei klassischen Ratgeberseiten mit reinem Informationsinhalt ohne Loginfunktion und ohne sensiblen Datenaustausch eher unwichtig oder sinnlos.

Rankingfaktoren für Online Shops

Gewichtung der Rankingfaktoren für Online Shops

Rankingfaktoren für Ratgeber & Infoportale

Bei Ratgeberseiten und Infoportalen steht hauptsächlich ein umfangreicher Content (manche würden hier sogar von „einer hollistischen Betrachtung“ sprechen) und dessen Aufbereitung im Vordergrund. Gerade bei Gesundheitsthemen spielt auch Trust eine wichtige Rolle.

Rankingfaktoren für Infoportale und Ratgeberseiten

Gewichtung der Rankingfaktoren für Infoportale und Ratgeberseiten

Rankingfaktoren für Bilder – Galerien und Fotostrecken

Bei der Optimierung von Bilder-Galerien und Fotostrecken bzw. bei Websiten, bei denen sich die UserInnen eher durch viele Unterseiten klicken, wurde eine sehr starke Korrelation der Veränderungen User Signals und damit verbundenen Rankingveränderungen beobachtet (Siehe Beispiel unten).

Rankingfaktoren für Galerien

Gewichtung der Rankingfaktoren für Galerien

Ein Beispiel für die Veränderungen der Rankings abhängig von den User Signals:

Rankingveränderungen in Korrelation mit Page Impressions

Rankingveränderungen in Korrelation mit Page Impressions

  1. Das Ranking hat leichte Schwankungen mit negativen Tendenzen zum Ende des Zeitraums 1. Im selben Zeitraum fallen auch die Seiten pro Sitzung von etwa 10 Seiten/Sitzung auf 8-9.
  2. Im zweiten Zeitraum sinken die Seiten pro Sitzung aufgrund einiger Designumstellungen an der Website kontinuierlich. Im selben Zeitraum sinkt das Ranking. Zwischenzeitlich erholen sich die Seiten pro Sitzung, jedoch nicht auf den Wert von 8-9 von vorher, sondern es bleibt unter 7,5 Seiten pro Sitzung.
  3. Zu Beginn des dritten Zeitraums steigen die Seiten pro Sitzung auf Grund Änderungen an der Usability stark an. Im selben Zeitraum steigt das Ranking enorm bis es einige Wochen später langsam durch die Top 5 auf Platz 1 landet. In diesem Zeitraum wurden keine Backlinks aufgebaut oder der Content inhaltlich stark verändert. Vorrangig wurde daran gearbeitet, das Userverhalten durch verbesserte Usability zu optimieren.
  4. Im letzten Zeitraum sinken die Seitenaufrufe pro Sitzung erneut sehr stark aufgrund technischer und durch werbemittelgetriebener- erhöhter Ladezeiten. Damit rutscht das Ranking von Position 1 auf Position 2.

Rankingfaktoren für Rechner

Bei Suchanfragen nach Rechnern wie Kreditrechnern, BMI Rechnern oder ähnlichem sind auffällig viele Seiten in den Top 10, die kaum SEO Basics oder Content aufweisen, jedoch auf Websiten mit sehr hohem Trust (Banken, Bundesministerien usw.) zu finden sind. Auch Tests, den Content in Form von Text und Bild zusätzlich zum Rechner auf diesen Seiten stark zu erweitern oder zu verändern, ergab keine bis sehr schwache Rankingveränderungen. Daraus ergibt sich eine Fokussierung auf Trust / Backlinks:

Rankinfaktoren für Websiten mit einem Rechner

Gewichtung der Rankinfaktoren für Websiten mit einem Rechner

Warum jetzt? Google wird schlau(er): Das Rankbrain Update

Erste Anzeichen für meine These sah ich im Google Rankbrain Update, also habe ich mir das etwas genauer angesehen und die Thematik in meinem Vortrag bei der SEOkomm unter dem Titel „7 SEO Strategien – Was funktioniert (nicht)?“ behandelt. Kurz zusammengefasst geht es darum, dass Google mit dem Rankbrain Update Schritte in eine Art „Künstliche Intelligenz“ macht (auch wenn man von einer richtigen künstlichen Intelligenz noch weit entfernt ist). Google versucht damit Suchanfragen besser zu verstehen und besonders Anfragen, die zuvor noch nie gestellt wurden, besser beantworten zu können. Ein wichtiger Teil davon ist vermutlich zu verstehen, um welchen Typ von Suchanfrage es sich handelt, d.h. ob man nach einem Shop, einer Information, einer News, einem lokalen Geschäft, einem Rechner oder etwas anderem sucht. Je nach Suchtyp, werden die bekannten Rankingfaktoren dann unterschiedlich gewichtet.

SERPs verwandeln sich in Landingpages

Google weiß inzwischen sehr genau, was der User eigentlich erwartet, wenn er eine Suchanfrage abgibt. Das spiegelt sich auch direkt in den SERPs wider. Die SERPs verwandeln sich aus meiner Sicht nämlich nach und nach immer mehr in Landingpages. D.h. es sind keine Suchresultatsseiten einer klassischen Suchmaschine mehr, sondern Landingpages mit externen Quellverweisen. Weiß man also nicht, wie man seinen Content auf der eigenen Seite aufbereiten soll, sollte man sich den Aufbau der SERPs für die jeweiligen Suchbegriffe sehr genau ansehen. Einige Beispiele:

Die UserInnen erwarten ein Video

Landingpage mit Video

 

Die UserInnen erwarten einen Überblick über Angebote

Landingpage mit einem Überblick über Angebote

 

Die UserInnen erwarten verschiedene Angebote

Landingpage mit Überblick über Angebote

 

Die UserInnen erwarten einen Online Shop

Online Shop Landingpage

 

Die UserInnen erwarten eine Rechnerfunktion

Landingpage mit Rechnerfunktion

 

Die UserInnen erwarten spezifische Informationen

Landingpage mit spezifischen Informationen

 

Die UserInnen erwarten detailierte Informationen

Landingpage mit umfangreichen Informationen

 

Die UserInnen erwarten detailierte Informationen rund um das Thema

Landingpage mit hollistischem Umfang

 

Die UserInnen erwarten eine Hotelbuchungsplattform

Landingpage mit Buchungsmöglichkeit

 

Die UserInnen erwarten Fussballergebnisse oder künftige Spiele

Landingpage mit Fussballergebnissen oder Informationen zu künftigen Spielen

 

Mein Tipp zum Schluss: Seht euch bei eurer Optimierung genau an, wie Google die eigene Landingpage gestaltet und welche Typen von Landingapges in den Top 10 auftauchen. Gewichtet demnach die relevanten Rankingfaktoren und konzentriert euch auf die, mit dem größten Potential.

Ich freue mich SEHR, über Feedback. Was würde ich mir wünschen? Vielleicht hat jemand Lust (z.B. große Tool Anbieter) mit entsprechenden Tests, diese These zu bestätigen – oder zu wiederlegen.

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Thomas Rafelsberger kam über sein e-Business Studium zur Suchmaschinenoptimierung. Weitere Erfahrungen rund um die Themen SEO, Online Marketing und E-Commerce sammelte Thomas bei Jobs und Praktika während dieser Studienzeit. Unter anderem war er Projektmanager eines Internetplattform-Relaunchs und e-Business Manager eines Webshops. Seit 2012 arbeitet Thomas als SEO gemeinsam mit Oliver Hauser. Seine Spezialgebiete sind SEO Onpage Analysen und die Betreuung der Kundenprojekte.

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20 Kommentare
  1. Sebastian
    Sebastian says:

    Oh mein Gott!
    Ich LIEBE die Idee!

    Wenn man kurz darüber nachdenkt, ist es durchaus sinnvoll. Wir möchten unsere Kunden ja auch unterschiedlich ansprechen, bzw. ein Modegeschäft unterteilt auch nach Damen, Herren, Kinder etc. und spricht seine Kunden in der Werbung unterschiedlich an.

    Wenn sich ein Webseitenbetreiber als Kunde der Suchmaschine und ihrer Dienste versteht ist es leicht nachvollziehbar, dass unterschiedliche Anforderungsprofile auch unterschiedlich bewertet werden.
    Und plötzlich steht man da und fragt sich „warum hab ich da nicht dran gedacht?“. Ich bin sicher, dass schon jemand anderes darüber sinniert und darüber gesprochen hat – aber dies ist mein erster Kontakt mit dieser Idee und dafür danke ich.

    Antworten
  2. Nico
    Nico says:

    #goodread Thomas, ich sehe das sogar noch etwas extremer: zusätzlich zu den von Dir genannten (meiner Meinung nach richtigen Ansätzen) werden die SERPS noch mehr personalisiert. Google hat und bekommt immer mehr ganz konkrete Userdaten, eine mögliche Verortung des Users wird immer einfacher und genauer. In Kobination mit den von Dir genannten Punkten sind die Suchergebnisse irgendwann so punktuell-individuell, dass eine Analyse möglicher Rankingfaktoren nahezu unmöglich werden wird und eigentlich sogar obsolet ist, weil Automatismen (aka Tools) keine persönliche Historie mitbringen und eine Simulation sinnlos wäre. Die SERPS werden einer DNA gleichen, völlig unique basierend auf der Suchanfrage, niemand wird jemals wieder die selben Suchergebnisse sehen, wie eine andere Person.

    Wann das sein wird und wie stark die Datenschützer das Thema beeinflussen können bleibt allerdings offen. Ich denke aber, es wird nicht mehr allzu lange dauern.

    Antworten
  3. Julian
    Julian says:

    Alle schreiben jetzt einen 2016 Artikel Sogar ich, wenn ich schon viel früher begonnen (dennoch nicht fertig) und ohne 2016 Gedanken. 😉

    Ein Zitat aus meinem Artikel, der hier noch gut passt:
    „Private Index content is important because it always out-ranks organic results.“ Cindy Krum
    Da wird noch richtig was auf uns zukommen.

    Was deine Theorie angeht ist es das erste Mal, dass es jemand in dieser Art aufbereitet, das stimmt. Gefällt mir! Die Thematik ist aber schon einige Jahre alt, es wurde selbst von Google mehrfach bestätigt, dass es nicht den einen Algo gibt, sondern, je nach Seitentyp, mehrere. Was natürlich irgendwie bedeutet es gibt unterschiedliche Gewichtung von Rankingfaktoren

    Antworten
  4. Lukas
    Lukas says:

    Absolute Zustimmung zu deiner These!!!

    Danke für den Tipp am Ende des Artikels: Das klingt meiner Meinung nach sehr spannend und wird demnächst getestet 😉

    Antworten
  5. Andreas
    Andreas says:

    Meine These: Der Inhalt der These bestand doch bereits jetzt schon und es war nur eine Simplifizierung der Personen die sich mit der Materie näher beschäftigen.

    Antworten
  6. Thomas Schmitt
    Thomas Schmitt says:

    Hallo Thomas,

    vielen Dank für Deinen tollen Artikel. Auch bei unseren Projekten haben wir ein ähnliches Verhalten festgestellt. Aber wie ich finde, hast du das sehr sehr gut auf den Punkt gebracht. Aufgrund dieser Informationen werde ich bei unserem Online Zeitungs Projekt einen Test mit einem veränderten Design durchführen und dir ein Feedback geben.

    Gruß, Thomas

    Antworten
  7. Andreas
    Andreas says:

    Hallo Thomas,

    sehr interessanter Artikel mit einer mindestens genauso interessanten Theorie, die es auf jeden Fall wert ist, weiter über sie nach zu denken. Danke.

    Gruß,
    Andreas

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